Wie eine Patenschaft entsteht

Stell Dir vor, Du lebst weit entfernt von hier. Du bist ein kleines Mädchen von 7 oder  8 Jahren - Dein genaues Alter weißt Du nicht - ein einem entlegenen Dorf in der westafrikanischen Sahelzone. Du hast einige ältere und jüngere Brüder und dann ist da noch ein Baby.

Dein Leben ist sehr hart: Du hilfst Deiner Mutter bei der Feldarbeit, zweimal am Tag holst Du Wasser und dann sammelst Du Feuerholz und passt auf die jüngeren Geschwister auf. Du stehst vor dem Morgengrauen auf und abends isst Du, wenn alle anderen gegessen haben - so ist es Brauch.

Eines Tages sind Leute im Dorf die über etwas, das PLAN heißt, sprechen. Da ist ein Ehrenamtlicher von einem Nachbardorf gekommen, um mit den Leuten darüber zu reden. Dein Vater hat in dem Dorf nicht viel zu sagen, deshalb wunderst Du Dich, als Du das Feuerholz nach Hause gebracht hast, dass dieser PLAN-Mann bei Euch ist. Er erzählt Deinem Vater und Deiner Mutter, dass PLAN Verbindung zu Leuten in der ganzen Welt hat, die gerne helfen möchten, dass sich Dein Dorf verändert.

Deine Mutter mag Veränderungen nicht, deshalb ist sie skeptisch. Der PLAN-Mann sagt, andere Dorfbewohner hätten gesagt sie könnten gut das ganze Jahr über Wasser in der Nähe des Hauses gebrauchen. Deine Eltern meinten, ja, das wäre eine gute Idee. Vielleicht könnte ihnen PLAN helfen.

Der PLAN-Mann sagt, die meiste Hilfe komme von Menschen, die gerne mehr über Familien wie Deine wissen möchten. Deine Eltern sind nicht besonders glücklich, dass sie solchen Freunden schreiben sollen, weil sie Analphabeten sind. Der PLAN-Mann sagt, es sei eines der Ziele von PLAN, die Patenkinder und ihre Familien in der Schule Lesen und Schreiben zu lehren. Dein Vater würde sicher an  Ansehen im Dorf gewinnen, wenn die Familie eine Patenfamilie würde, weil sie damit der Gemeinde helfen würde, sich zu verbessern.

Schließlich stimmt Dein Vater zu und sagt: "Gut, Sie können einen von den Jungen als Patenkind nehmen." Aber der PLAN-Mann sagt: "Nein, wir würden gerne Ihre Tochter nehmen. Viele Spender in der reichen Welt sind Frauen, und sie möchten lieber Mädchen unterstützen, insbesondere, wenn sie selber Töchter haben." (Du schaust heimlich um die Türe und traust Deinen Ohren nicht. "Warum sollten diese fremden Leute Dir helfen").

Plötzlich sagt Deine Mutter, das gehe auf keinen Fall. "Sie muss Wasser und Feuerholz holen und das dauert jeden Tag länger und länger". Der PLAN-Mann sagt: "Aber Wasser wird es bald viel näher geben, da muss man nicht mehr weit laufen. Ich kenne auch das Problem mit dem Feuerholz. Aber PLAN könnte Ihnen helfen, eine wirklich guten, billigen Ofen zu bekommen, der nur einen Bruchteil von dem Holz braucht, das Sie jetzt brauchen."

Deine Mutter sagt: "Aber ich will nicht, dass sie in die Schule geht. Da lernt sie schlechte Dinge, vergisst unsere Sitten und Gebräuche und wird uns fremd." Der PLAN-Mann sagt: "Mutter, sehen Sie es mal so, hier haben nur wenige Mädchen eine Ausbildung. Diejenigen, die die Schule mit Erfolg beenden, genießen besonderes Ansehen, sogar bei ihren Männern und können ihre Kinder auf die gleiche Weise hochbringen." Dein Vater sagt: "Das ist alles schön und gut, aber In-die-Schule-gehen kostet Geld, selbst wenn die Gebühren niedrig sind. Und wer soll die Feldarbeit machen ?" Der PLAN-Mann antwortet: "Gut, zuerst besprechen wir Schuldauer und -zeiten mit der Regierung, so dass die Kinder weg bleiben können, wenn Sie die meiste Arbeit haben. Außerdem unterstützt PLAN einige Projekte zu Einkommensverbesserung, zum Anbau von Nahrung und erfolgreicher Lagerung, an so einem Programm könnten Sie teilnehmen. Und noch etwas: Sie kennen doch die Düngemittel, die man kaufen kann. Können Sie die Gebrauchsanweisung lesen?" "Nein, von uns kann keiner lesen". "Aber ihre Tochter wird Ihnen dabei helfen können und kann Sie beraten, was es gibt und wie man es sprüht."

Schließlich sind Vater und Mutter einverstanden, dass Du Patenkind wirst. Aber der PLAN-Mann sagt: "Nicht so schnell! Wir haben sie ja noch gar nicht gefragt." Und er ruft Dich herein und fragt, ob Du, nach allem was Du gehört hast, Patenkind werden möchtest.

Und Du denkst Dir: "Ich werde zur Schule gehen !!! Ich werde lesen und schreiben lernen !!! Ich werde weit weg einen einflussreichen Menschen haben, der mein Freund und Beschützer sein will ! Dinge müssen nicht immer so bleiben wie sie sind. Ich werde die Möglichkeit haben, allen zu zeigen, was ich kann ! Ich werde weiter meine Familie und Gemeinde respektieren ! Das will ich mehr als alles in der Welt !" Aber in Deiner Kultur und Tradition dürfen Mädchen in Anwesenheit von Älteren und Vorgesetzten nicht frei sprechen. Deshalb nickst Du nur nachdrücklich und flüsterst: "Ja".

 

(Bericht von Ian Buist, Mitglied des Internationalen Plan-Vorstands - leicht gekürzt und übersetzt)

(Quelle: Pan Deutschland)